Montag, den 23. Oktober 2017 n.Chr.
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Mythen und Legenden der Retogau

Abergläubisch ist der einfache Bauer, selbst in einer solch reichen Gegend wie in Garetien. So werden sich hier selbst nach Jahrhunderten der Besiedelung immer noch Geschichten von unheilvollen Kreaturen und seltsamen Vorfällen erzählt. Hört man dem Geschwätz der Bauern jedoch eine Weile zu, dann könnte man auf den Gedanken kommen, dass vielleicht jedes Märchen einen wahren Kern haben könnte.

  • Eine Geschichte, die besonders gern erzählt wird, ist dass hier in der Retogau die Natternkönigin lebt. Auch wenn diese erste von allem Natterngezücht noch nie von einem Lebenden gesehen wurde, hofft doch jeder Bauer, dass er, wenn er einmal stirbt, von der Natterkönigin gebissen wird, und diese ihm ein neues Leben schenkt. Jedenfalls konnten die Magier der Akademie, die nach der Tierkönigin suchten, weder bestätigen noch widerlegen, dass es die Natterkönigin gibt.

  • Eine weitere, in ganz Garetien bekannte Geschichte, ist die, dass es einen Feldgeist mit einem Kürbiskopf geben soll. Dieser wird zum Fest der eingebrachten Früchte mit Masken und Laternen, die aus einem Kürbis geschnitzt werden, gebannt. Sagt man doch, dass dieser Unhold die Felder plündert und jedem, der ihn dabei stört die Seele raubt. Einzig mit einem Lauten und schrillen Fest könnte man ihn vertreiben.

  • In der Nähe des Krähensees wird gern die Geschichte einer wunderschönen Wassernixe erzählt, die den Fischern den Kopf verdreht und diesen mit in ihr unterseeisches Reich im See nimmt. Andere meinen, dass diese unglückseligen Zeitgenossen von den Nachbarn in Feidewald entführt und getötet wurden. Wieder andere sagen, dass diese meist jungen Männer ihr Glück einfach im nahen Gareth suchen und versuchen, aus der Leibeigenschaft zu entkommen.

  • Bei Branningsgrund bringt man oft der Dame des Feldes Opfer in Form von Feldfrüchten dar. Anscheinend handelt es sich hier um mehr als ein Gerücht, behauptet doch fast jeder Bauer, er kenne jemanden, der jemanden kennt, der wüßte, wie sein Nachbar die Dame des Feldes gesehen hat. So opfert man ihr während der Erntezeit gerne, weiß man doch, dass dieses Opfer die Fruchtbarkeit der Felder sichert.

  • Will man die Kinder erschrecken, dann erzählt man sich die Geschichte vom verrückten Baron, der halb Nattersquell niederbrannte. Angeblich soll sein Geist immer noch in den Ruinen von Alt - Nattersquell hausen. Und wenn die Kinder ihre Suppe nicht auslöffeln, dann kommt der Geist, um die widerspenstigen Kinder zu holen und zu bestrafen.

Abschließend soll noch kurz ein typisch garetisches Märchen erzählt werden. Das Märchen vom Listigen Streunerlein.

"Es war einmal ein armer Junge, der in den Gassen des prächtigen Gareths aufwuchs. Doch er lebte nicht in der Pracht Neu- Gareths und auch nicht im bürgerlichen Alt- Gareth. Nein, Phexlyn lebte in den schmutzigen Gassen des Südquartiers. Dort, wo sich Mensch und Vieh das Haus teilen und die Straßen aus aufgetürmten Schlammassen bestehen. Doch Phexlyn hatte schon früh mit erleben müssen, wie seine Eltern starben und hauste deshalb in einem alten Fass in einer Gosse, und musste sich davon ernähren, was die anderen Leute wegwarfen, und was er erbetteln konnte. Doch insgeheim träumte der Junge davon, einmal ein stolzer Ritter zu werden und auf einem stolzen Roß eine Prinzessin aus den Fängen eines gefährlichen Lindwurms zu befreien.
Nachdem er eines Tages sein Frühstück in Form von drei nicht vollständig abgeknabberte Fischgräten zu sich nahm, da fiel ihm etwas auf. In dem Müllhaufen, der sich neben seinem Heim erhob, sah Phexlyn etwas schwarz Glänzendes. Neugierig geworden, ging der Junge zu dem Haufen hin. Er griff in den stinkenden Haufen und zog ein paar oberschenkellange Reiterstiefel hervor, die schwarz im Lichte Praios glänzten. Begeistert von seinem Fund, riss sich Phexlyn die Lumpen, die er um seine Füße gewickelt hatte, da er keine Schuhe besaß, herunter und stieg in die Stiefel. Und, oh Wunder, sie passten wie angegossen. Kein Drücken und kein Zwicken. Nein, er konnte sogar mit seinen Zehen wackeln und an der Ferse klirrten silberne Sporen. Stolz ging der Junge einige Schritte die Gasse entlang, wobei die Sporen klirrten.
Nun machte sich Phexlyn auf, um seinem täglichen Schaffen nachzugehen. Er musste heute die Latrinen eines Händlers leeren und säubern. Doch obwohl ihn diese Aufgabe erwartete, zierte sein Gesicht ein breites Lächeln. Doch wie es schien, veränderten die Stiefel ihn so sehr, dass ihn alle Passanten grüßten, ganz so, als wäre er ein vornehmer Bürger. Als er fast das Haus des Händlers erreicht hatte, kam ihm eine Truppe Soldaten entgegen. Phexlyn, dem dies unheimlich war, versuchte im Schatten der Häuser zu verschwinden, da Soldaten immer Ärger bedeuteten. Doch nicht so diese. Als sie ihn sahen, da salutierten die Soldaten zackig. Dann kam der Hauptmann der Soldaten auf Phexlyn zu. Er führte seine Hand zur Stirn und nahm Habachtstellung ein.
Phexlyn erwiderte verblüfft den Gruß, als der Hauptmann ihn ansprach. Doch er musste wirr im Kopfe sein, sprach er Phexlyn doch als Ritter Rondrigo von Eslamsberge an und wollte den Jungen zum Palast bringen. Auch fragte er wo denn sein Schnauzbart wäre. "Hab ihn abrasiert", meinte Phexlyn nur dreist und raunzte zum Hauptmann weiter "Nun, dann bringt mich eben zum Palast, wisst ihr nicht, dass ich dort erwartet werde?" Der Hauptmann erwiderte dann nur, dass er den hochehrenwerten Oberst zum Kaiser bringen werde. So ging es dann auf zum Palast und Phexlyn fragte sich die ganze Zeit, was dem Hauptmann wohl auf den Kopf gefallen war, im Palast würde man den Schwindel wohl bemerken, aber vielleicht gelang es Phexlyn ja, einen silbernen Löffel zu stehlen. Davon könnte er ein halbes Jahr lang gut essen.
Doch oh Wunder, oh Wunder, der Junge gelangte so bis vor den Kaiser und die Kaiserin. Der Kaiser fütterte gerade eine seiner Ministerinnen mit Trauben, während die Kaiserin sich von einem nachtschwarzen Mann aus dem tiefen Süden massieren ließ. Als sie Phexlyn in seinen strammen Reiterstiefeln sah, da freute sie sich und meinte mit weinschwerer Stimme, dass sie sich freue, endlich die Bekanntschaft des berühmten Ritters von Eslamsberge zu machen. Sie hätte schon so viel von seiner Tapferkeit und seinem starken Schwertarm gehört und verlangte sogleich, dass Phexlyn ihr die Geschichte erzählte, wie er den Schrecklichen Höhlendrachen Gurkablug im Eisenwald getötet habe.
Phexlyn erzählte der Kaiserin eine haarsträubende Geschichte, log, dass sich die Balken bogen und berichtete der Kaiserin davon, wie er den Drachen erwürgte, da er sein Schwert verloren hatte. Diese war schwer angetan davon, was sie hörte, und klatschte in die Hände. Alle Anwesenden zuckten zusammen, von der Gespielin des Kaisers, die dabei Wein auf das Gewand des Kaisers schüttete, über die Soldaten der Kaiserlichen Leibgarde, bis hin zu dem schwarzen Waldmenschen. Dann sagte die Kaiserin ihrem Bruder, dem Kaiser, dass man wohl den richtigen Mann gefunden habe für die zu bewältigende Aufgabe. Dann erzählte sie Phexlyn von einem mächtigen Drachen, der schon vor Jahren die Stadt Nattersquell niedergebrannt hatte. Dieser sei nun zurück gekommen und hätte eine der Ministerinnen des Kaisers entführt, eine wunderschöne Prinzessin aus der glühend heißen Khomwüste und Tochter des mächtigen Sultans von Unau.
Wenn der Drache nun diese Prinzessin fressen würde, dann drohte ein Krieg mit den Wüstenreitern. Denn der Sultan würde es sicher nicht gut finden, wenn seine Tochter von einem Monstrum gefressen würde. Nun sollte der größte Held des Mittelreichs die Prinzessin retten und würde als Dank um ihre Hand anhalten dürfen. Besser mit einem Helden verheiratet, als von einem Drachen gefressen. Phexlyn, pardon Rondrigo meinte dazu nur: "Werte Kaiserin, wenn ich mein Leben riskiere, dann muss doch etwas mehr drin sein, als ein Weib, das wahrscheinlich schon nach Wochenfrist anfinge zu keifen, und dem Haare auf der Zunge wachsen.". Da hatte die Kaiserin ein Einsehen, sie hatte nie geheiratet und wollte auch keine Kinder bekommen, und versprach dem jungen, tapferen Ritter ein prächtiges Schloß. Da willigte Phexlyn, äh Rondrio ein, und bereitete sich auf den Kampf mit dem Drachen vor. Er bekam ein Streitroß und eine Lanze, um den schrecklichen Drachen zu töten.
Also gab er seinem Pferd die Sporen und ritt eilig zum finsteren Orvasberg, wo der Drache hausen sollte. Unterwegs, mitten in der goldenen Au, begegnete er der goldenen Kutsche vom Boten des Lichtes, dem obersten Geweihten der Praioskirche, und ritt zur Seite, um dem Hochgeweihten Platz auf der Straße zu machen. Doch als dieser Phexlyns blank polierte Stiefel sah, da stieg er aus seiner Kutsche und ließ sich die Geschichte von dem Drachen erzählen und hörte gebannt die Worte Phexlyns, entschuldigt vielmals, Rondrigos: "Und ich werd dem Biest den Garaus machen und die Prinzessin seinen Klauen entreißen." Da gab der Bote des Lichtes dem Tapferen seinen Segen und weihte seine Lanze, auf dass sie nicht am Schuppenkleid des Drachen zerbreche. So gewappnet ging die Reise weiter, und schließlich erreichte der Tapfere die Höhle des Drachen. Mutig stellte er sich vor den Höhleneingang und rief: "Komm raus, damit ich dir meine Lanze in deine Wanst rammen kann, auf dass du dich nicht an wehrlosen Prinzessinnen vergreifen kannst." Da rumpelte es und Felsen fielen aus großer Höhe herab. Dann kam ein mächtiger Kopf aus der Höhle heraus, gefolgt von einem sicherlich zwanzig Schritt langem Hals. Der Drache schnaubte, und aus seinen tellergroßen Nasenlöchern kam schwarzer Rauch. Der Drache beschaute sich den in schwarze Stiefel gekleideten Menschen und sagte, dass er schon vom tapferen Menschlein gehört habe, das solche Stiefel trug, und er keine Lust habe, erwürgt zu werden, wie es seinem Bruder Gurkablug im Eisenwald widerfahren sei. Also entfaltete er seine Flügel groß wie ein Immanfeld und flog davon. Phexlyn, entschuldigt noch einmal,Rondrigo, rief dem Monstrum hinterher: "Und las dich hier nicht noch mal sehen, sonst ergeht es dir übel." Und schwang dabei seine Faust. Dann ging er in die Höhle und fand auch schnell die gefangene Prinzessin. Nachdem er diese von ihren Ketten befreit hatte, da dankte sie ihm und war vom Mut des tapferen Prinzen beeindruckt und wollte ihn sogleich heiraten. Doch dieser meinte nur: "Ein Prinz bin ich nicht, aber heiraten dürft ihr mich trotzdem." Zum Dank für seine Taten machte ihn die Kaiserin zum Baron von Goldenstein, und Phexlyn lebte zusammen mit seiner lieblichen Frau auf dem prächtigen Schloß Goldenstein in Glück und Frieden. Und eines Tages zog es den tapferen Rondrigo, der ja eigentlich Phexlyn hieß, davon und er ritt in den Sonnenuntergang und erlebte noch viele Abenteuer. Glaubt mir, genau so hat es sich zugetragen, und seitdem sind immer die größten Helden des Reiches die Herren der Baronie Goldenstein, die nun Retogau heißt.


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