Mittwoch, den 13. Dezember 2017 n.Chr.
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Erntezeit

Ein Szenario für Helden höherer Erfahrung

Die Retogau ist eine der fruchtbarsten Baronien im ganzen Mittelreich. Die Helden, die das Jahr des Feuers gespielt haben, und den Umgang mit Dämonen, Untoten und Schwarzmagiern umgehen können, haben nun eine neue Herausforderung: Sie müssen die Ernte einbringen und den Zehnt von den Bauern kassieren. Leider werden die meisten Steuern in Naturalien zum Baron gebracht. Dieser muß nun dafür Sorge tragen, dass diese Waren in blankes Silber und Gold verwandelt werden. So müssen die Helden auf dem für sie zunächst ungewohnten Parkett der Garether Großhändler, bei den ihnen untergebenen Bauern und der Zehntlieferung an die Kaiserpfalz agieren. Gelingt es den Helden auch hier zu beweisen, wozu sie fähig sind? Hierzu werden im folgenden exemplarisch die Zehntlieferungen einzelner Orte vorgestellt. Außerdem werden Aufkäufer vorgestellt. Einige Probleme zeigen sich, an denen selbst erfahrene Helden verzweifeln können.

Der Zehnt aus Falkenanger:

In Falkenanger leben 433 Menschen. Davon bewirtschaften lediglich 67 als Freibauer ihre eigenen Äcker, das heißt, sie zahlen an den Baron nur die Steuern und eine eventuell fällige Pachtgebühr. Diese liegt pro Person bei etwa 30 – 40 Silbertaler. Der Rest besteht aus unfreien Bauern, die auf den Feldern des Barons arbeiten und deshalb etwa ein Drittel ihrer Ernte abliefern müssen, und zusätzlich noch andere Abgaben zahlen müssen. Die restlichen zwei Drittel werden im nächsten Frühjahr als Saat wieder auf die Felder ausgebracht bzw. dienen dem Unfreien als Nahrung. Dadurch sind die Einnahmen von diesen Bauern wesentlich höher, sie sollten etwa bei 60 - 110 Silbertalern pro Person liegen. Dabei ist zu beachten, dass ein jeder in einer Familie gezählt wird, wenn es um die S teuern geht. Das heißt, eine Unfreie Familie mit drei Kindern, muß zwischen 300 und 500 Silbertaler erwirtschaften, während eine gleich große Freibauernfamilie nur 150 – 200 Silbertaler aufbringen muss, um die Steuern an Kaiserin, Graf und Baron zu begleichen. Es sollte jedem klar werden, dass der Baron seine größten Gewinne auf den Feldern der Unfreien macht.

Der Zehnt aus Ginsterhag:

Für Ginsterhag gilt ähnliches wie für Falkenanger, hier gibt es allerdings die Besonderheit, dass die Schmieden der Maraskaner derart große Gewinne abwerfen, dass von dort der gesamte Steueraufwand, in Form einiger ausgesuchter Waffen, Schmiedeerzeugnissen und Pferden, an den Baron gezahlt werden. Diese Waren kann selbiger dann auf eigene Kappe verkaufen. Meist sollte dabei ein Gewinn abfallen, da es sich um hochwertige Erzeugnisse handelt.

Der Zehnt vom Tälerhof:

Bei dem vom Täleshof gelieferten Zehnt handelt es sich um mehrere Karren mit Mehl und zwei Wagen mit Kürbissen. Dieser Zug wird von Jarl Tälermann und einigen seiner Söhne begleitet. Diese werden beim Baron für Ärger sorgen, und behaupten, das ihre Äcker in diesem Jahr nur wenig Ertrag gebracht haben, und deshalb ihr Steuersatz gesenkt werden muß. Ganz egal wie viele Äcker und Bewohner der Täleshof hat.

Der verletzte Bauer:

In Falkenanger hat sich einer der unfreien Bauern bei der Ernte schwer an seiner Sense verletzt, und konnte seine Felder nicht komplett abernten. So hat er gerade genug, um sich und seine Familie über den Winter zu bringen und neu auszusähen. Verlangen die Helden den Zehnt trotzdem, oder finden sie eine andere Lösung?

Achsbruch:

Einer der Wagen, die den Zehnt nach Falkenanger liefern, bleibt unterwegs mit einer gebrochenen Achse liegen. Jedoch befinden sich auf diesem Wagen wichtige Waren aus Ginsterhag. Die Fuhrleute behaupten natürlich, einen der ihren beim Wagen zurück gelassen zu haben. Dieser ist jedoch, genauso wie der Wagen, verschwunden. Hier gilt es, den Wagen wieder zu finden, der sich schon auf dem Weg nach Gareth befindet, wo der Fuhrmann die Waren auf eigene Kappe verkaufen will.

Der zornige Großbauer:

Jarl Tälerman, Patriarch des Täleshofs, ist der Meinung, dass ihm eine zu große Steuerlast aufgebürdet wird. Aus diesem Grund hat er einen Großteil seiner Erträge verbergen lassen. Nun behauptet er, dass seine Felder nicht mehr hergaben, dass die Ernte schlecht war, usw... Nun besteht er wütend darauf, dass sein Zehnt gekürzt wird. Hier muss das Korn gefunden werden, Tälermann von der Unrechtmäßigkeit seines Tuns überzeugt werden und der korrekte Zehnt eingebracht werden. Gelingt den Helden hier nicht, diese Punkte zu klären, so wird Tälermann in jedem Jahr versuchen, die Helden zu betrügen. Gelingt es ihnen, so ist der Großbauer in der Zukunft nicht mehr gut auf die Helden zu sprechen.

Das Korn verdorrt:

In einem der Lagerhäuser in Falkenanger hat der harte Winter 1028 B.F. das Dach beschädigt. Dadurch beginnt das hier gelagerte Korn zu schnell zu verfaulen. Als nun dieses Korn verkauft wurde, wird bemerkt, dass man nicht genug liefern kann. Hier gilt es schnell zu agieren, und neues Korn zu organisieren. Nehmen die Helden von den Fronhöfen der Unfreien zu viel Korn, so werden diese im nächsten Winter nicht genug zu essen haben. Dies kann langfristig zu neuem Ärger führen.

Beim Aufkäufer:

Im folgenden werden zwei Aufkäufer vorgestellt, einer, welcher versucht, mit seinen Lieferanten gerechte Geschäftsabschlüsse zu erzielen, um sie langfristig an sich zu binden, und ein Käufer, welcher jedes Schlupfloch im Kontrakt mit den Helden sucht und versucht, die Helden über den Tisch zu ziehen. Dieser weiß, dass jedes Jahr Dutzende Garethische Barone versuchen, ihre Ernte bei den Kaufleuten Gareths loszuschlagen.

Jorn Blattenbusch: Seit er vor einem Jahrzehnt das Geschäft seines Vaters übernahm, kauft der untersetzte Garether Händler Korn, Mehl und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse auf. Hier hat er in der Vergangenheit so gute Gewinne machen können, dass er sogar Kredite an die Barone des Umlandes vergeben konnte. Er weiß, dass er von Phex gesegnet ist, und versucht immer Geschäfte abzuschließen, bei denen beide Seiten zufrieden von dannen ziehen. Durch seine Kontakte zu vielen Bäckern der Stadt hat er immer Abnehmer für das von ihm gekaufte Mehl, und kann Feldfrüchte an fast ein dutzend Markthändler weiter verkaufen.
Trotz allem versucht er immer noch, einen guten Gewinn zu machen. Wenn beide Vertragsparteien zufrieden sind, dann ist es Phex auch – zumindest so lange er seinen Anteil erhält. Er würde den Helden fürs Erste folgende Güter abkaufen:

  • 20 Quader Roggen
  • 12 Quader Kürbisse
  • 2 Quader Fisch
  • 2 Quader Fleisch ( Rind)
  • 3 Quader Fleisch ( Schwein)
  • 2 Quader Fleisch ( Schaf)
  • 2000 Rechtschritt Stoff
  • 5 Quader Feldfrüchte
Für dies alles würde er bis zu 1300 Dukaten zahlen. Er stellt allerdings zur Bedingung, dass man in Zukunft ihm das erste Angebot macht, wenn man neue Ware zum Verkauf anbietet.

Alrik Gundelmann: Dieser Händler kauft ebenso schon seit Jahren alles auf, was ihm die Landadligen anbieten. Allerdings will er dabei den größten Gewinn machen. So kann es sein, dass er seine Lieferanten mit einer konkreten Preiszusage hängen lässt, bis diese schließlich nachgeben und ihre Erzeugnisse zu einem niedrigeren Preis verkaufen. Kaufen wird er definitiv etwas, er versucht nur soviel wie möglich für sein Geld zu bekommen. Er versucht für die oben aufgeführten Waren zuerst nur 1000 Dukaten zu zahlen. Schlagen die Helden nicht direkt zu, so wird er bei jedem Gespräch mit den Helden sein Angebot um einhundert Dukaten senken.

Am Ende haben die Helden bei mindestens zwanzig Großhändlern vorgesprochen, und mit etwas Geschick zwischen dreißig und vierzig Tausend Dukaten verdient. Dies mag sich nach viel anhören, aber wenn man bedenkt, dass davon sofort wieder ein großer Teil an die Kaiserin und den Garether Markvogt abgeliefert werden müssen, dann bleibt nicht sehr viel über. Insgesamt sollten die Helden etwa zwischen 60000 und 120000 Dukaten pro Jahr aus der Baronie ziehen können. Allerdings sollten die Kosten, welche die Helden dafür haben, sich in einem ähnlichen Rahmen bewegen. Außergewöhnliche Anschaffungen müssen so über Jahre angespart werden. Bezogen auf die Bevölkerungszahl und der fruchtbaren Lage der Retogau ist eine solche Zahl durchaus realistisch.

Überfall der Feuerhähne:

Die Feuerhähne, die mittlerweile einen sehr schlechten Ruf in der Retogau haben, überfallen den Zehnttransport zur Kaiserpfalz. Neben zusätzlichen Lebensmitteln verspricht sich ihr Anführer davon, dass er Wissen über die Einwohnerzahl der Baronie sammeln kann. Nicht, dass dies für ihn irgend einen Nutzen hätte, er folgt einfach einem unerklärlichen Sammeltrieb. Zu diesem Zweck haben die Feuerhähne im Wald, nördlich vom Stinneshof, bei einem Hohlweg einen Hinterhalt gelegt und den Weg mit einem umgestürzten Baum versperrt. Nun wollen sie den letzten Wagen in Brand setzen und so den Rückweg versperren. Es handelt sich um insgesamt Zwölf Räuber, von denen die Hälfte mit Bögen bewaffnet ist. Sie werden sich zurück ziehen, sobald sie erkennen, dass sie keine Chance auf Beute haben.

Lieferung an die Kaiserpfalz:

Schließlich kommen die Helden auf der Pfalz an. Hier wird die komplette Lieferung gewogen und die Qualität geprüft. Die in Bar gelieferten Beträge werden von zwei Schreibern gezählt, wobei es durchaus zu Differenzen zwischen beiden Ergebnissen kommen kann. Ob es daran liegt, dass einer der Säcke mit den Münzen verschwunden ist, oder schlichtweg übersehen wurde, liegt bei ihnen und daran, wie schwer sie es den Helden machen wollen. Am Ende sollten die Helden einige nützliche Erfahrungen gemacht haben, und die Gewinne ihrer ersten eigenen Ernte genießen können. Vielleicht wollen sie sogar ein Erntefest geben, in dem ein Großteil des Geldes wieder verpulvert wird. Helden können ja meist nicht wirklich gut mit Geld umgehen. Falls sie genauere Zahlen benötigen, sowie eine genaue Aufstellung, welche Waren genau aus einer beispielhaften Ortschaft geliefert werden, dann treten sie mit mir in Verbindung, allerdings dient dies nur zur besseren Ausgestaltung des Abenteuers und würde hier den Platz des Szenarios sprengen. Außerdem sollten die Helden zwischen 80 und 150 AP für dieses Abenteuer erhalten.


2006 Marc "Zendijian" Jenneßen
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